„Sie wäre eine hervorragende Trainerin“ – Die Queen und Pferderennen

Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen, das gehört sich für Königskinder eigentlich nicht. Niemand weiß das besser als Königin Elizabeth II., die seit 1952 Oberhaupt des Vereinten Königreichs und zahlreicher Commonwealth-Staaten ist. Doch die 93-jährige Monarchin, die gerade mit Boris Johnson ihren 14. britischen Premierminister ins Amt einführte, kennt eine Ausnahme: Pferderennen. 

Königin Elizabeth II beim Pferderennen in Ascot (Foto: German Racing/Frank Sorge)
German Racing / Frank Sorge Königin Elizabeth II beim Pferderennen in Ascot (Foto: German Racing/Frank Sorge)

Ein viel geklicktes Video auf YouTube zeigt, wie sich die Queen nahezu kindlich über den Sieg ihrer Stute Estimate beim Ascot Gold Cup 2013 freut, eines der bekanntesten Galopprennen in England. Es war einer ihrer größten Erfolge als Rennstall-Besitzerin – zumal auf ihrer „Heimatbahn“ Ascot, die nur eine Kutschenfahrt vom Hauptsitz Schloss Windsor entfernt ist und die vor mehr als 300 Jahren von der damaligen Königin Anne bei einem Ausritt als idealer Platz für eine Rennbahn entdeckt wurde. Die britische Zeitung „Daily Mail“ hat dieser Tage vorgerechnet, dass die Rennpferde der Queen, deren Vermögen auf rund 430 Millionen Euro geschätzt wird, mehr als acht Millionen Euro Preisgeld und mehr als 500 Rennen gewonnen haben. Eine glaubhafte Anekdote besagt, dass sie bei der morgendlichen Lektüre zuerst zum Fachblatt „Racing Post“ greift und danach zur „Times“. 
Die Liebe der Königin zu Pferden begann sehr früh. Mit vier Jahren bekamen sie und ihre Schwester Margaret ein Shetland-Pony namens Peggy geschenkt. „Sie ist durch und durch Pferde süchtig“, sagte Lucy Higginson, Chefredakteurin von „Horse and Hound“, der ältesten Pferde-Zeitschrift in Großbritannien, über die Queen. Es liegt in der Familie: Die inzwischen verstorbene Queen Mum begeisterte sich vor allem für Hindernisrennen. Ihre Tochter Prinzessin Anne und Enkelin Zara Phillips wurden olympische Vielseitigkeitsreiterinnen, Sohn Charles und die Enkelsöhne William und Harry Polospieler. 
Für die Queen selbst gehören auf alle Fälle Rennbahnbesuche noch immer fest in ihren dicht gefüllten Kalender: Regelmäßig ist die Königin beim berühmten Royal Ascot-Meeting dabei und auch bei dem Rennen, das nach ihrem Vater und ihr selbst benannt ist: die King George VI & Queen Elizabeth II Stakes in Ascot. 

2012 und 2013 kamen die Sieger aus Deutschland – die Ausnahmestute Danedream und der Hengst Novellist, der wie die Queen-Heldin Estimate von dem deutschen Hengst Monsun abstammt. Die Mutter von Estimate, Ebaziya, wurde der Queen übrigens vom geistigen Oberhaupt der Ismaeliten und großen Pferdezüchter Aga Khan zum 80. Geburtstag geschenkt. Es ist daher anzunehmen, dass die Königin durchaus den deutschen Rennsport mitverfolgt – zumindest die großen Rennen wie den 161. Henkel-Preis der Diana am kommenden Sonntag (4. August) in Düsseldorf, den sechsten Lauf der Rennserie German Racing Champions League. 
In der mit 500.000 Euro Preisgeld dotierten Gruppe I-Prüfung über 2.200m wird die „Stuten-Königin“ des Jahrgangs 2016 gesucht. Mit dabei dürften auch Enkeltöchter des 2012 verstorbenen Deckhengstes Monsun sein. Er hat viel dazu beigetragen, dass die verhältnismäßig kleine deutsche Zucht international so angesehen ist. Für die Diana-Siegerin wird es mit Sicherheit wieder verlockende Kaufangebote aus dem Ausland geben. In der jüngeren Vergangenheit sind nicht nur viele Diana-Siegerinnen verkauft worden – zu Preisen, die in Deutschland nicht zu erzielen sind und jeden zum Nachdenken bringen. 
Galoppexperten sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es belegt zum einen die Qualität der deutschen Vollblüter und hilft den Züchtern, weiter zu investieren. Zum anderen bedeutet es jedoch einen Aderlass, der die ohnehin kleine Spitzengruppe ausdünnt. 
Die britische Königin ist im Übrigen nicht nur Rennstallbesitzerin, sondern auch Züchterin. Ihr Gestüt, das Royal Stud, steht auf dem Sandringham Anwesen in Norfolk, nordwestlich von London. Beraten wird die Queen von John Warren, der den Job von Schwiegervater Henry Herbert, dem 7. Grafen von Carnarvon, nach dessen Tod 2001 übernommen hat. „Sie wäre eine hervorragende Trainerin geworden“, sagt Warren über die Königin. „Das Wohl der Pferde kommt für sie immer zuerst. Wenn es um die Gesundheit ihrer Tiere geht, könnte ich sie Tag oder Nacht anrufen.” 

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