„Hobby kann man das Reiten gar nicht nennen, es ist ein Teil des Lebens“

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Marburg (fn-press). Eines teilen alle Reiter, die an diesem Wochenende bei den Deutschen Amateur-Meisterschaften (DAM) in Dagobertshausen um die Titel in Dressur und Springen reiten: Reiten ist ihr Hobby und dennoch betreiben sie es auf einem so hohen Niveau, dass sie auf Turnieren oft gegen Profis antreten müssen. Welche Geschichten verbergen sich hinter den besten Amateuren Deutschlands und wie schaffen sie es, Beruf und Reitsport miteinander zu verbinden? FN-press stellt einige Reiter vor. 

„Ich arbeite Vollzeit in einer Bank und reite vier Mal die Woche. Zweimal nach der Arbeit und die anderen beiden Male am Wochenende, da ist dann auch mehr Zeit. An den anderen drei Tagen halte ich mich mit Ausgleichssport fit“, erklärt Dressurreiterin Anke Thon-Saalbach (Löbnitz), wie sie ihr Hobby mit ihrem Job kombiniert. In Dagobertshausen geht sie mit ihrer zwölfjährigen Hannoveraner Stute Walküre an den Start, am Freitag verpasste sie als 14. knapp den direkten Einzug ins Finale am Sonntag. Thon-Saalbach reitet bereits seit ihrer Jugend erfolgreich in der Dressur und sicherte sich bereits 18-mal den Landesmeistertitel in Sachsen-Anhalt.

Sehr erfolgreich war in der Vergangenheit auch der Ralf Deutschmann (Schlagenthin), allerdings im Springen. Zu DDR-Zeiten ritt er bei Nationenpreisen mit, siegte 1979 sogar in Bratislava. Heute haben sich seine Prioritäten verändert: „Mittlerweile kommen erst der Betrieb und die Familie und dann das Reiten. Es ist aber eine super Ablenkung und hält fit. Solange es Spaß macht, mache ich weiter.“ Der gelernte Elektroinstallateur arbeitet im Familienbetrieb: „Wir haben eine kleine Firma, die Bauschutt und Müll entsorgt. Meine Frau ist die Geschäftsführerin und ich bin das Mädchen für alles“, erzählt er augenzwinkernd. Aufs Pferd setzt sich Deutschmann erst nach Feierabend, deshalb bleibt weniger Zeit fürs Training. Obwohl er und sein elfjähriger Hengst Sabucco am Freitag keinen besonders guten Tag erwischten und einige Abwürfe hatten, sind die DAM für ihn eine willkommene Gelegenheit, sich mit Reitern zu messen, denen es ähnlich geht: „Das ist eine schöne Sache, gerade weil der Profisport so stark geworden ist und es mittlerweile schwieriger ist, da mitzuhalten.“

Das kann auch Karina Miculins (Melle) nur bestätigen. Sie arbeitet Vollzeit in der psychiatrischen Pflege. Die Lust am Reiten vergeht ihr nach einem langen Arbeitstag nicht: „Das Reiten macht mir viel Freude und gibt mir Kraft für die Arbeit“, sagt sie. In Dagobertshausen ist sie mit ihrem einzigen Pferd Damion, Spitzname Danny, in der Dressur dabei. Mit dem 15-jährigen westfälisch gezogenen Wallach verbindet sie eine besondere Geschichte: „Danny ist selbstgezogen und ausgebildet, ich war schon bei seiner Geburt dabei.“ Der größte Erfolg des Paares ist der Gewinn einer S-Dressur im vergangenen Jahr in Melle. Bei ihrem ersten Ritt auf den DAM am Freitag landete sie im Mittelfeld und war mit dem Ergebnis „recht zufrieden“.

Ebenfalls voll und ganz auf ein Pferd konzentriert sich Hildegard Schultmann (Münster), sie hat jedoch das Glück als Rentnerin viel Zeit für ihr Hobby zu haben: „Ich bin Vollzeit-Untertanin meines Pferdes Alwin“, erzählt sie selber lachend. Ihre ersten Turnierstarts hatte sie bereits 1969, bis vor viereinhalb Jahren ritt sie jedoch hauptsächlich Springen bis zur Klasse M. Dann der späte, aber sehr erfolgreiche Umstieg: „Ich habe seitdem gemeinsam mit meiner Trainerin Rosi Kemper in Dressur den Sprung von der Klasse L bis S geschafft.“ Wie es dazu kam? „Ich wollte dressurmäßig schon immer mehr, aber brauchte den passenden Sportpartner“, erklärt sie. In Alwin hat sie ihn gefunden, bei der ersten Wertungsprüfung am Freitag qualifizierte sich das Paar direkt für die Kür am Sonntag.

Als einen „Traum von einem Pferd“ bezeichnet auch Annett Böhm (Bretten) den achtjährigen Oldenburger Wallach Blackmoney. Mit ihm belegte sie im Prix St. Georges am Freitag den dritten Platz. „Ich arbeite halbtags als Steuerfachangestellte, deshalb bin ich in der glücklichen Position, dass ich Zeit zum Reiten habe. Außer Blackmoney reite ich noch ein vierjähriges Pferd“, erzählt sie. Und welche Rolle spielt das Hobby Reiten für sie im Alltag? „Hobby kann man das Reiten gar nicht nennen, es ist ein Teil des Lebens.“ FN/Melanie Köster

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