WEG Tryon Vierspänner: Silbermedaille als Ziel

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Warendorf (fn-press). Die meisten Pferde und das größte Gepäck – diesen Rekord halten die Vierspänner bei den Weltreiterspielen in Tryon in den USA. Bundestrainer Karl-Heinz Geiger darf drei Vierspännerfahrer an den Start bringen. Dazu gehören 15 Pferde, sechs Kutschen plus Trainingswagen, unzählige Gamaschen und vieles mehr. Im Gespräch stellt er die deutschen Fahrer Christoph Sandmann, Georg von Stein und Mareike Harm vor und erklärt, welche Chancen sie sich bei den Weltreiterspielen ausrechnen. 

FN-press: Vierspännerfahren ist ja eher eine Männersache. Aber seit einigen Jahren hat sich die 32-jährige Mareike Harm immer mehr an die Spitze gefahren. Sie gehörte schon bei der EM im vergangenen Jahr mit Georg von Stein und Christoph Sandmann zum Silber-Team. Welche Stärken bringt sie in die Mannschaft ein?
Karl-Heinz Geiger: Mareike Harm ist unsere Dressur- und Kegel-Spezialistin, in diesen beiden Disziplinen kann sie immer punkten. Von allen deutschen Fahrern fährt sie derzeit mit Abstand die beste Dressur und davon versprechen wir uns einiges für das Teamergebnis. In der Geländeprüfung fährt sie vor allem auf Sicherheit. 

FN-press: Mit seinen 51 Jahren ist Christoph Sandmann der erfahrenste Viererzugfahrer im deutschen Team. Seit 1990 gehörte er – mit einer Ausnahme – immer zur deutschen Mannschaft bei Weltmeisterschaften. Aber der Start in die Saison verlief für ihn doch recht holprig. Ist er denn jetzt in Top-Form?
Karl-Heinz Geiger: Christoph hat sich zu Beginn der Saison an der Hand verletzt und konnte auf den ersten Turnieren nicht fahren. Aber sein Gespann wurde von seiner Tochter Anna hervorragend trainiert und auch auf den Turnieren präsentiert. Da haben wir eine richtig gute Nachwuchsfahrerin für die Zukunft. Aber Christoph hat kürzlich beim internationalen Turnier in Beekbergen in den Niederlanden noch einmal selbst seine Top-Pferde gefahren und mit Platz zwei bewiesen, dass nicht nur das Gespann, sondern auch er gut drauf ist und mit ihm zu rechnen ist. Er ist der Allrounder im Team, hat unter anderem im vergangenen Jahr in Aachen die Geländeprüfung gewonnen, fährt aber auch eine gute Dressur und ist sicher im Kegelparcours unterwegs.

FN-press: Und Georg von Stein? Er ist gerade noch Deutscher Meister der Vierspänner geworden. Er und seine Pferde scheinen also auch gut in Form zu sein?
Karl-Heinz Geiger: Georg hat die ganze Saison lang auf die Weltreiterspiele hingearbeitet und jetzt am Ende noch einige tolle Erfolge z.B. bei der DM gefeiert. Er ist unser Marathon-Spezialist, aber auch in den anderen Disziplinen immer gut dabei. 

FN-press: Was ist eigentlich mit Michael Brauchle, dem Europameister von 2015? Spielte er bei den Überlegungen für Tryon keine Rolle?
Karl-Heinz Geiger: Doch, er ist ja auch unsere Reserve und ein Top-Marathonfahrer. Aber er hat in seinem Gespann zur Zeit noch junge, etwas unerfahrene Pferde, für die ein Championat in diesem Jahr vielleicht noch etwas früh gewesen wäre. 

FN-press: Was ist denn das Ziel in Tryon? Mannschafts-Silber wie im vergangenen Jahr bei der EM in Göteborg und zuletzt auch beim CHIO in Aachen?
Karl-Heinz Geiger: Wir sind mit der gleichen Mannschaft in Tryon wie 2017 in Göteborg und Silber ist da schon unser Ziel. Auch wenn ich zu Beginn der Saison da noch nicht so von überzeugt war, dass das klappen könnte, aber in Aachen haben wir uns mit Platz zwei ja schon wieder ganz gut behaupten können. Bei der EM in Göteborg hat Christoph Sandmann neben Team-Silber auch noch die Bronzemedaille in der Einzelwertung gewonnen. Das wäre natürlich schön, wenn es auch in Tryon zusätzlich noch mit einer Einzelmedaille klappt. 

FN-press: Und Mannschafts-Gold ist gar kein Thema? Müsste das Dauer-Abo der Niederländer auf Team-Gold nicht auch irgendwann mal enden? 
Karl-Heinz Geiger: Tja, eigentlich schon und wir nähern uns auch immer wieder mal an, aber die Niederländer betreiben diesen Sport einfach nicht wie wir als Amateure, sondern als Profis mit Sponsoren und haben einfach Top-Gespanne. 

FN-press: Wer sind denn sonst noch so die Konkurrenten, die man im Blick haben muss? Früher waren es immer die Ungarn. 
Karl-Heinz Geiger: Klar, die Ungarn nach wie vor, aber in Tryon sind sie nicht dabei. Aktuell sind besonders die Franzosen und die Belgier sehr stark geworden. Die werden auch alle bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden wollen. 

FN-press: Die Fahrer sind erst am letzten Wochenende der Weltreiterspiele an der Reihe. Aber die Kutschen sind schon längst auf dem Weg oder?
Karl-Heinz Geiger: Ja, die Kutschen und weitere Ausrüstung sind schon am 15. August auf ein Schiff verladen worden und sind somit schon längst auf der Reise. Daher ist Georg von Stein bei den Deutschen Meisterschaften auch mit einem geliehenen Marathonwagen im Gelände gefahren, da sein eigener schon auf dem Weg nach Tryon war. Aber das hat ja auch gut funktioniert.
Das Interview führte Eva Borg.

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