Isabell Werths Aufforderung zum Tanz im Deutsche Bank Preis

Der Siegerin gratulieren Christian Sewing Vorstandsvorsitzender Deutsche Bank AG & ALRV-Beiratsmitglied sowie ALRV-Präsident Carl Meulenbergh (rechts). Foto: CHIO Aachen/ Michael Strauch
Der Siegerin gratulieren Christian Sewing Vorstandsvorsitzender Deutsche Bank AG & ALRV-Beiratsmitglied sowie ALRV-Präsident Carl Meulenbergh (rechts). Foto: CHIO Aachen/ Michael Strauch

Die Zuschauer klatschten im Takt, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze wischte sich verstohlen ein Tränchen weg und Isabell Werth ballte die Faust im Triumph. Was für eine Kür sie heute zum Finale des CHIO Aachen 2018 mit Emilio im Deutsche Bank Preis zelebriert hat! Und was für eine fantastische Stimmung im mit 6300 Zuschauern seit Wochen ausverkauften Deutsche Bank Stadion.

Nach der heutigen Kür geht Isabell Werth endgültig als Königin des Deutsche Bank Stadions in die CHIO-Geschichte ein. Zum zwölften Mal siegte sie im Deutsche Bank Preis, damit machte sie das Dutzend Einträge auf der legedären Siegertafel voll. Emilio ist bereits das vierte Pferd, das sie in Aachen zum Sieg reitet. Mit persönlicher Bestleistung von 87,625 Prozent kamen Werth und der zwölfjährige Westfale v. Ehrenpreis aus dem Viereck. Zweite wurde die US-Amazone Kasey Perry-Glass auf ihrem Dänen Goerklintgaards Dublet v. Diamond Hit mit 85,205 Prozent, gefolgt von deren Landsfrau Laura Graves auf Verdades v. Florett As (85,085).

Vierte wurde die Dänin Cathrine Dufour auf Cassidy mit 84,835 Prozent. Helen Langehanenberg war mit Damsey zweitbeste Deutsche auf Rang fünf 82,575. Dorothee Schneider und Sammy Davis. Jr, wurden Siebte (81,295). Dazwischen schob sich mit 82,195 Prozent der Däne Daniel Bachmann Andersen auf Blue Hors Zack, der als einziger Reiter eine Kür hatte, die den Schwierigkeitsgrad 10,0 hat – das macht ein Zehntel der Gesamtnote aus. 

Namen, Noten und Nationalitäten bestätigen Isabell Werths Fazit dieser Tage in der Soers: „Das war eine spannende Woche für uns alle!“ Eine Woche mit Favoritensiegen und -stürzen, Überraschungserfolgen und Comebacks, die für Werth mit einem höchst bescheidenen Grand Prix begann, mit dem Sieg im Special weiterging und mit ihrer bislang besten Kür auf Emilio endete. Emilio schien von Lektion zu Lektion an Sicherheit und Selbstverständlichkeit zu gewinnen und tanzte zu perfekt auf ihn abgestimmte Musik von Beethoven, Puccini und Verdi. Als der Braune auf der letzten Mittellinie zur Passage ansetzte, fingen die ersten an, im Takt mitzuklatschen, es wurden immer mehr, Isabell Werth zog die Hand zum Gruß und ritt die letzten Meter bis zur Grußaufstellung einhändig. Kaum angehalten, brandete ohrenbetäubender Applaus auf, Pferdebesitzerin Madeleine Winter-Schulze wischte sich eine Träne weg und Isabell Werth konnte Emilio gar nicht genug loben. Was für ein Ritt. So eine Leichtigkeit, so eine Harmonie, so muss Dressur sein!

Als Werths schärfste Konkurrentin wurde bislang Laura Graves betrachtet. Tatsächlich siegte die US-Reiterin im Grand Prix auf ihrem Verdades. Doch im Special, in dem sie Werth im vergangenen Jahr noch schlagen konnte, erschreckte sich ihr Pferd vor der Kamera und war völlig von der Rolle. Heute in der Kür zeigte der KWPN-Wallach sich wieder von seiner besten Seite. Aber vielleicht fehlte ihm heute der letzte Glanz, der dann am Ende über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Jedenfalls gelang es Graves‘ Trainingskollegin Kasey Perry-Glass – beide reiten bei der ehemaligen Olympiateilnehmerin Debbie McDonald – erstmals, an der Olympia-Vierten vorbeizuziehen. Und an allen deutschen Reiterinnen außer Werth. Auch das ist ja ein Statement! 
Kasey Perry-Glass war 2016 erstmals in Europa am Start gewesen und sorgte für Furore mit ihrem eleganten Dunkelbraunen. Doch 2017 erlebten die beiden einen ziemlichen Einbruch, auch hier in Aachen. Danach gönnte die Reiterin ihrem Sportpartner eine Pause. „Er brauchte das. Und ich auch. Wir haben das Training geändert, nicht so viele Lektionen geübt und mehr Abwechslung ins Training gebracht. So haben wir wieder zu unserer alten Form zurückgefunden.“ In der Tat – den beiden zuzuschauen wie sie mit größter Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit ihre Kür zur Filmmusik aus „Herr der Ringe“ zelebriert haben, hat einfach nur Freude gemacht. So wie die gesamte Prüfung heute. Ein würdiger Abschluss für die Dressurprüfungen des Weltfests des Pferdesports!

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