Neun deutsche Athleten im Weltcup-Finale Voltigieren

Voltigier-Elite trifft in der kommenden Woche in den Dortmunder Westfalenhallen aufeinander

Dortmund (fn-press). Nach den Qualifikations-Stationen in Madrid, Paris, Salzburg, Melchelen, Leipzig und Offenburg haben sich die besten Voltigierer der Welt im Wettstreit um den Einzug für den Showdown in Dortmund durchgesetzt. Vom 22. bis 25. März 2018 werden jeweils die besten sechs Damen und Herren sowie vier Pas-de-Deux ihre Weltcup-Sieger der Saison 2017/2018 küren. Insgesamt neun deutsche Vertreter gehen beim SIGNAL IDUNA CUP an den Start: Kristina Boe (Hamburg), Corinna Knauf (Köln), Jannis Drewell (Gütersloh), Viktor Brüsewitz (Wulfsen), Jannik Heiland (Wulfsen), Theresa-Sophie Bresch (Heidelberg) und Torben Jacobs (Köln) sowie Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes (Altena).

Damit stellen die Schützlinge von Bundestrainerin Ulla Ramge und Disziplintrainer Kai Vorberg im Vergleich mit den anderen Nationen das größte Starterfeld. Hinzu kommen sieben Athleten aus der Schweiz, zwei Franzosen, eine Niederländerin und ein Ungar. Die Österreicherin Lisa Wild geht aus „pferdetechnischen Gründen“ nicht an den Start. Für sie ist Ilona Hannich aus der Schweiz nachgerückt.

Drei deutsche Herren auf Titel-Jagd

Chancen auf die Titel haben die Vertreter des Bundesadlers in allen drei Disziplinen. Besonders hoch sind die Chancen bei den Herren. Hier gehen gleich drei Athleten unter schwarz-rot-goldener Flagge ins Rennen. Die größten Aussichten auf dem Papier hat dabei der Titelverteidiger Jannis Drewell aus dem nordrhein-westfälischen Gütersloh. Der 26-jährige Deutsche Serienmeister (2015, 2016 und 2017) und amtierende Vize-Europameister konnte in der Weltcup-Qualifikation die Station in Salzburg gewinnen und mit den zweiten Plätzen in Mechelen und Offenburg nachlegen. Damit gilt der Sportsoldat erneut als einer der Favoriten. Der gelernte Tischler wird mit seiner Mutter und Longenführerin Simone Drewell und dem 20-jährigen Hannoveraner Diabolus auflaufen. Er ist überzeugt: „Wir sind wahrscheinlich das eingespielteste Team von allen.“ Auch bei der Zielsetzung gibt es keine Kompromisse: „Natürlich wollen wir unseren Titel verteidigen.“

Ebenfalls gute Chancen hat der Vorjahres-Dritte Jannik Heiland. Der Ingenieur aus Wulfsen bei Hamburg konnte im Winter auf ganzer Linie überzeugen. Einem zweiten Platz in Madrid folgte im Januar der Sieg in Leipzig, bei dem er auch den Schweizer Lukas Heppler bezwang. Damit rangiert der 25-Jährige auf Platz drei im Weltcup-Ranking. Nach Wunsch des Weltranglisten-Sechsten (im Vorjahr noch Platz elf) soll es anno 2018 noch ein Stück weiter nach oben gehen. Für den Deutschen Meister aus dem Jahr 2012 ist das Weltcup-Finale das Highlight der Frühjahrs-Saison: „Es geschafft zu haben, sich für ein Weltcup-Finale zu qualifizieren, bedeutet mir immer sehr viel, besonders bei der aktuell überaus starken Konkurrenz.“ Heiland wird mit dem 13-jähriger Hannoveraner Highlander – Spitzname „Lanny“ – und Longenführerin Winnie Schlüter antreten. Im Vorfeld verriet Heiland nicht, welche Choreografie er im Dortmunder Zirkel präsentieren wird.

Den deutschen Herren-Reigen komplettiert Viktor Brüsewitz, der sich nach seinem Sieg in Mechelen und Rang zwei in Leipzig erstmals seit drei Jahren wieder für das Finale qualifizieren konnte. Der 28-Jährige aus Wulfsen hatte den Showdown im Jahr 2015 in Graz auf Platz sechs abgeschlossen. Der Dritte des Weltcup-Rankings hat nun große Ziele für seine vierte Final-Teilnahme, die er mit Longenführerin Gesa Bührig und dem zwölfjährigen Mecklenburger Schimmel Claus bestreiten wird. „Verlieren oder Vorletzter zu werden macht mir auf jeden Fall keinen Spaß“, sagt der mehrfache Teilnehmer der RTL-Show „Ninja Warrior“. Das Finale in Dortmund sei für ihn „das größte Turnier seit 2015“. Aus dem Grund der langen Pause von der großen Bühne sieht er sich klar in der Rolle des Außenseiters. „Niemand hat mit uns gerechnet. Ich selbst vielleicht auch nicht so sehr.“

Zum Kreis der diesjährigen Finalisten gesellen sich noch die ebenfalls hoch gehandelten Lukas Heppler aus der Schweiz (Sieger von Madrid und Offenburg) und Clément Taillez aus Frankreich (Sieger von Paris). „An guten Tagen ist bei diesen fünf Athleten sicherlich alles möglich“, sagt Bundestrainerin Ulla Ramge. Die Warendorferin, die ihre Kindheit und die Anfänge im Voltigieren im Übrigen in ihrer Dortmunder Heimat erlebte, drückt selbstverständlich ihren drei deutschen Athleten die Daumen. Auch der Ungar Balázs Bence ist jedoch alles andere als chancenlos.

Zweikampf zwischen Boe und Büttiker?

Bei den Damen läuft nach den bisherigen Winter-Resultaten alles auf einen packenden Zweikampf zwischen der Nummer zwei und der Nummer sechs der Welt hinaus: Kristina Boe aus Hamburg gegen Nadja Büttiker aus der Schweiz. Die 30-jährige Unfall-Chirurgin Boe, die sich bei den vergangenen beiden Finals jeweils nur einer Athletin (2016: Simone Jäiser SUI / 2017: Anna Cavallaro ITA) geschlagen geben musste, löste mit zwei zweiten Plätzen in Madrid und Leipzig das Dortmund-Ticket. In der Leipziger Messehalle musste sie sich Büttiker geschlagen geben. Doch auf dem Weg nach Dortmund trafen die beiden Turnerinnen schließlich bei den BadenClassics in Offenburg noch einmal aufeinander – und diesmal setzte Boe ein Ausrufezeichen und sorgte im unmittelbaren Duell für eine Revanche. „Ich habe mich super gefühlt und kann mit einem fantastischen Gefühl nach Dortmund reisen“, sagt die amtierende Europameisterin, die bei allen Qualifikations-Stationen auf verschiedenen Ersatzpferden angetreten war und erst in Dortmund wieder mit ihrem Routinier Don de la Mar sowie ihrer Longenführerin Winnie Schlüter auflaufen wird. Die CHIO-Aachen-Siegerin und Deutsche Meisterin (beides 2016) freut sich auf das erste Highlight einer spannenden und von vielen hochkarätigen Events gespickten Turnier-Saison 2018: „Für mich ist das Weltcup-Finale besonders bedeutend in diesem Jahr, weil es auch eine erste Weichenstellung für die Weltreiterspiele ist.“ Boe zeigt große Zuversicht. „In den letzten Jahren hatten meine Küren schon viel Potenzial, aber ich hab mich schneller verunsichern lassen. Dieses Jahr bin ich mit meinem Pferd und meiner Longenführerin perfekt eingestimmt. Das gibt mir den Rückhalt, um voll durchzustarten.“ Ihre Strategie: „Vollgas von der ersten bis zur letzten Sekunde.“ Zielsetzung? „Ich sag das jetzt einfach mal so: Zweite war ich schon, das Ziel ist der Sieg.“ Dabei wird Boe – nicht ohne Wehmut – ein letztes Mal ihre Star-Wars-Kür präsentieren.

Ebenfalls im Weltcup-Finale steht Corinna Knauf nach ihrem Sieg in Mechelen und Rang zwei in Paris. Obwohl die 25-Jährige vom Team NORKA des VV Köln-Dünnwald eine der erfahrensten Athletinnen überhaupt ist, ist ihr die Qualifikation zum ersten Mal gelungen. Antreten wird sie mit der 14-jährigen Westfalen-Stute Fabiola W sowie ihrer Schwester Alexandra Knauf an der Longe. Knauf ist in diesem Weltcup die große Unbekannte. Kurz nach Mechelen musste sich die zahnmedizinische Assisentin einer Knie-Operation unterziehen. Nun ist die amtierende Mannschafts-Europameisterin sowie Vize-Europameisterin von 2015 allerdings wieder fit und möchte mit ihrer Kür zum Thema „Silence“ überzeugen. „Dortmund ist für mich schon aus dem Grund ein besonderes Ereignis, da es mein ersten Weltcup-Finale ist“, sagt die dreifache Deutsche Meisterin.

Komplettiert wird das Damen-Feld von der Französin Manon Noël, der Schweizerin Ilona Hannich (die für die aufgrund von Pferdeproblemen verhinderte Österreicherin Lisa Wild nachrückt) sowie der Niederländerin Carola Sneekes.

Deutsche Favoriten im Pas-de-Deux

Im Pas-de-Deux gelten die beiden deutschen Vertretungen als große Favoriten für Dortmund. Die amtierenden Deutschen Meister Theresa-Sophie Bresch und Torben Jacobs vom Team NORKA des VV Köln-Dünnwald werden mit ihrem 14-jährigen deutschen Sportpferd Holiday on Ice und Alexandra Knauf an der Longe um ihren ersten Titel in dieser Konstellation kämpfen. Der 26-jährige Kölner Medizinstudent, der über Jahre hinweg die Welt des Doppels mit Pia Engelberty erobern konnte, war mit der 25-jährigen Baden-Württembergerin aus Tübingen im Vorjahr auf Rang zwei gelandet. Das Gespann, das bei der Europameisterschaft im Jahr 2011 bereits gemeinsam Gold gewonnen hatte, sicherte sich 2017 den Vize-EM-Titel im österreichischen Ebreichsdorf. Die für das Rheinland auflaufenden Athleten rangieren auf Platz zwei der Weltrangliste und führen das Weltcup-Ranking nach dem Sieg in Leipzig und Platz drei in Offenburg an. Bei den BadenClassics hatte sich Jacobs im zweiten Umlauf verletzt. Für das Weltcup-Finale ist er jedoch wieder fit. Dort werden die Kölner noch einmal auf ihr altes Thema „Bonnie und Clyde“ zurückgreifen, jedoch bereits Kür-Parts und -elemente der neuen Choreografie einbauen.

Ebenfalls qualifiziert sind die Lokalmatadoren Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes aus Altena, die in Offenburg ihren ersten Weltcup-Sieg einfahren konnten. Die 21-jährige Psychologie-Studentin und der 22-jährige Sport- und Gymnastiklehrer aus dem Kreis Arnsberg vertreten gemeinsam mit ihrer Longenführein Claudia Döller-Ossenberg-Engels und dem 13-jährigen niederländischen Warmblut Caram OE die westfälischen Farben des Reitvereins Altena. Die Westfalen stehen aktuell auf Platz drei in der Welt. Bei der Europameisterschaft im österreichischen Ebreichsdorf gab es 2017 Bronze. Die Deutschen Vize-Meister sind im dritten Jahr des Dortmunder Weltcup-Finals bereits zum dritten Mal dabei. Die Platzierungen weisen dabei in eine eindeutige Richtung: 2016 Platz vier, 2017 Rang drei. Eindruck machen wollen die Bundeskader-Athleten mit Gefühlen und Emotionen in ihrer neuen Kür zum Thema „Titanic“. Zielvorgabe: „Zwei saubere Durchgänge mit noch mehr Ausdruck als bei der Qaulifikation. Wir wollen das Publikum begeistern und Spaß haben.“

Komplettiert wird das Pas-de-Deux-Starterfeld von den beiden Schweizer Formationen Zoe Marucchio und Syra Schmid sowie Marina Mohar und Céline Hofstetter.

Zahlen & Fakten

  • Der SIGNAL IDUNA Cup in Dortmund 2018 ist Austragungsort des 8. Weltcup-Finals (5. Weltcup-Finale im Pas-de-Deux);
  • Vorjahres-Sieger: Silvia Stopazzini und Lorenzo Lupacchini (ITA); Anna Cavallaro (ITA); Jannis Drewell (GER/Gütersloh);
  • erste Weltcup-Saison wurde 2011 mit dem Finale in Leipzig beendet, Siegerin damals: Simone Wiegele vom RSV Neuss-Grimlinghausen (erste und bislang einzige deutsche Titelträgerin), Patric Looser (SUI) – jetzt Trainer und Longenführer im Voltigierverein Köln-Dünnwald;
  • erstes Weltcup-Saison im Pas-de-Deux: 2013/14 mit Finale in Bordeaux – Premieren-Sieg für Jasmin Lindner und Lukas Wacha (AUT);
  • Weltcup-Finale wurde bislang viermal in Deutschland ausgetragen (Leipzig 2011, Braunschweig 2013, Dortmund 2016 und 2017), zweimal in Bordeuax / FRA (2012 und 2014) und einmal in Graz / AUT (2015);
  • die meisten Weltcup-Siege in allen Disziplinen konnte bislang Deutschland einfahren (5), gefolgt von Italien (4), Frankreich und Schweiz (jeweils 3), Österreich (2) und Großbritannien (1).

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