Trauer im Norden: Baltic Horse Show abgesagt

Trauer im Norden: Baltic Horse Show abgesagt

(Kiel) Die Nachricht kam plötzlich, aber nicht ganz so überraschend: Das internationale Reitturnier Baltic Horse Show in der einstigen Ostseehalle wird 2017 nicht stattfinden. Mehr noch, die Absage ist endgültig für das Turnier in der Landeshauptstadt. Wirtschaftliche Veränderungen, die insgesamt schwieriger gewordene Situation im Reitsport und mangelnde Zukunftsperspektiven haben die Veranstalter jetzt zur Absage veranlaßt. Initiator Peter G Rathmann in einer schriftlichen Stellungnahme: „Wenn sich keine positiven Perspektiven mehr aufzeigen, muss man Geschäftsmann genug sein, um die Situation zu beenden.“ Kiels Turnier ist nun eine von mehreren internationalen Veranstaltungen in Deutschland, deren Macher „die Segel streichen“.

Rathmann und sein damaliger Mitstreiter Jörg Münzner hoben das internationale Turnier im Jahr 1990 „aus der Taufe“, beendeten damit eine mehrere Jahrzehnte währende Turnierpause in Kiel. Jetzt nach mehr als 25 Jahren kommt das „Aus“ für die Veranstaltung, die gerade in den vergangenen Jahren deutlich an Akzeptanz bei Zuschauern gewonnen hatte. Als Grund gibt Rathmann die Sponsorensituation und auch die geplanten Umbauten an der Arena mitten in Kiel an. „Dass es für uns Turnierveranstalter in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden ist, Sponsoren für den Reitsport zu gewinnen, zeichnete sich auch in Kiel seit Längerem ab“, so Rathmann über die Beweggründe für das Ende der Baltic Horse Show. „Wir haben mit viel Energie und Engagement versucht, diesem Trend entgegenzuwirken.“

Bereits nach der Baltic Horse Show im Oktober 2016 war klar, dass ein langjähriger Partner aus der Fnanzierung aussteigt. Die Warsteiner Brauerei reduzierte das Sponsoring insgesamt weiter. Betroffen davon ist auch das Nachwuchsprojekt Warsteiner Reitsportförderung. „Der Vertrag ist ausgelaufen und wurde einfach nicht verlängert,“ bestätigt Sinje Vogelsang, Leiterin der Unternehmenskommunikation in Warstein. Leicht war es nie für die Veranstalter in Kiel. So kostete es jahrelange Mühen und Gespräche, um für das Turnierwochenende im Oktober die dringend für Pferdezelte benötigte Fläche des Exerzierplatzes zu bekommen. Einziger Grund des langjährigen „Nein“ aus der Stadtverwaltung war der Wochenmarkt am Samstag.

Peter G. Rathmann hatte Ideen für die Pferdesportszene entwickelt, die man auch außerhalb Schleswig-Holsteins für außergewöhnlich hielt: Der Meteor-Preis für außergewöhnliche Verdienste zählt dazu, ebenso die Gründung des Partner- und Wirtschaftskreises Holsteiner Masters, der Pferdeszene und Unternehmen zusammen brachte, das Fahrduell der Baltic Horse Show oder zuletzt auch der Talentwettbewerb für Pferdeshows, der aus dem Rathmann-Team entwickelt wurde. Peter G. Rathmann hatte bereits vor zwei Jahren die Zukunft geregelt und mit dem Unternehmer und Vorstandsmitglied des Holsteiner Verbandes, Stephan Johannsen und dessen Schwägerin Claudia Fuhs Verstärkung geholt. Johannsen hat als Springreiter die Anbindung an die Pferdeszene, Fuhs übernahm die Geschäftsführung für die Holsteiner Masters. Tatsächlich ist die Baltic Horse Show jedoch unternnbar mit dem Namen Peter G. Rathmann verknüpft, wer von Kiels Turnier spricht, spricht auch über den Verlagschef und Pferdesportfan.

Seine vielfältigen Kontakte und der Spürsinn für das, was Sponsoren erwarten, verhalfen der Baltic Horse Show zu Stabilität. Möglich, dass seine Mitstreiter für eine ähnlich starke Rolle mehr Zeit benötigt hätten. Die Entwicklung des internationalen Pferdesports mit weltweit ausgetragenen und millionenschweren Serien wie der Global Champions Tour und knapp hundert Veranstaltungen auf Fünf-Sterne-Niveau erzeugt Folgen für Veranstalter in Deutschland. Drei-Sterne-Turniere wie Kiel haben es schwerer ein prominentes Teilnehmerfeld zusammen zu bekommen. Wer kann und genug erstklassige Pferde hat, sucht sich vielleicht eher ein höher dotiertes Turnier aus oder legt ein Pausenwochenende ein. Der sportlichen Qualität tut das keinen Abbruch, leichter vermarkten läßt sich ein nicht mehr im TV übertragenes Turnier gleichwohl nicht. Das klassische Pferdesportland Schleswig-Holstein hat nun mit den VR Classics noch ein großes internationales Turnier in Neumünsters Holstenhallen. Auch dort weiß man um die insgesamt anspruchsvoller gewordene Sponsorensuche für Großveranstaltungen.

 

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